Lucie Koebbel, geb. Buetow

Allgemeines

Nachname:
Koebbel
Geburtsname:
Buetow
Vorname:
Lucie
Geburtsdatum:
29.03.1885
Geburtsort:
Berlin
Sterbedatum:
24.03.1968
Sterbeort:
Radolfzell am Bodensee
Konfession:
mosaisch
Beruf des Vaters:
Kaufmann
Ehemann:
Dr. Max Koebbel
Kommentar zum Ehemann:
Arzt. Heirat 1914
Kinder:
3
Kommentar zu den Kindern:
zwei Mädchen, ein Junge
der Sohn ist im zweiten Weltkrieg in Frankreich gefallen, eine Schwester tauchte während des zweiten Weltkrieges in Freudental am Bodensee unter, heiratete dort. Ihre beiden Söhne leben noch heute in Deutschland. Die ältere Tochter emigrierte 1937 nach Italien, um dort Medizin zu studieren, ging dann 1939 nach Israel, da sie dort einen Studienplatz bekam (Auskunft der älteren Tochter von L. K.)
Sonstiges:
Eltern: Philipp Buetow und Johanna, geb. Barth. Die Schwester ihrer Mutter (also die Tante von L. K.) war die Ärztin Jenny Bornstein, geb. Barth

Ausbildung

Ausbildung und Schule:
Von ihrem 6. bis zum 15. Lebensjahr besuchte Buetow die städtische Luisenschule zu Berlin. Danach besuchte sie ebenda zwei Jahre die Gymnasialkurse für Frauen. Von 1903 bis 1905 bereitete sie sich privat auf die Reifeprüfung vor, die sie am 29. März 1905 am Königlichen Luisengymnasium bestand. Mit ihr zusammen bereitete sich auch die spätere Ärztin Helene Frank, geb. Spitz auf das Abitur vor. Eigentlich wollte L. K. ja Maschinenbau studieren, da sie technisch sehr begabt war. Das war ihr aber nicht möglich (Auskunft der älteren Tochter).
Ostern 1905 begann sie in Berlin Medizin zu studieren, wo sie sich jedoch nur bis Oktober desselben Jahres aufhielt. Von Oktober 1905 bis Oktober 1906 studierte sie in München, und kehrte anschließend nach Berlin zurück (Okt. 1906), und studierte Medizin. Dort bestand sie im Herbst 1907 das Vorexamen. Bis Ostern 1908 blieb Buetow in Berlin und wechselte dann nach Freiburg über, wo sie bis Ostern 1909 studierte. Danach kehrte sie wieder nach Berlin zurück (Ostern 1909 bis Ostern 1910). Am 28. Juni 1910 bestand sie die ärztliche Staatsprüfung. Sie verbrachte das praktische Jahr zuerst an der Nervenheil- und Pflegeanstalt in Lankwitz. Vom 3. September bis zum Ende des praktischen Jahres war sie auf der Inneren Abteilung des Rudolf-Virchow-Krankenhauses tätig. Nach der Appr. am 16. Juli 1911 arbeitete sie von nun an als Assistenzärztin im Rudolf-Virchow-Krankenhaus. Am 23. Dezember 1912 promovierte Buetow als eine der ersten Frauen an der Medizinischen Fakultät zu Leipzig.
Ort des Staatsexamens:
Berlin
Datum des Staatsexamens:
28.06.1910
Ort der Promotion:
Leipzig
Datum der Promotion:
1913
Datum der Approbation:
16.07.1911

Beruf

Fachbezeichnung:
Schulärztin (Adreßbuch Berlin.), Kinderärztin (Der Arzt 1952)
Art der Tätigkeit:
1913 Assistenzärztin am Rudolf-Virchow-Krankenhaus
1914 - 1937 niedergelassene Ärztin in Berlin
1928 Schulärztin
1952, 1960 Kinderärztin
Kommentar zur Tätigkeit:
L. K. betreute schon seit dem 1. Weltkrieg mehrere Säuglingsfürsorgestellen in Berlin und war auch in mehreren Bezirken Schulärztin
Niedergelassene Ärztin in Berlin zusammen mit ihrem Mann seit 1914
Sie unterrichtete an einem Lyzeum Säuglingspflege und Hygiene
Tätigkeitsorte:
1913 - 1962/63: Berlin dort:
Reinickendorfer Str. 55 (MK 1917)
Westfälische Str. 52, Wilmersdorf (RMK 1919- 1929)
Kurfürstendamm 109, Halensee (RMK 1929-37, 1939)
Kurfürstendamm 96 (1949, 1952, 1960)
Grunewald, Winklerstr. 4 (1962/63)
Haupttätigkeitsort:
Berlin
Veränderungen nach 1933:
Jüdin nach dem Gesetz vom 07.04.1933. Die Arbeit in der Säuglingsfürsorge, das Unterrichten sowie die Arbeit als Schulärztin mußte sie 1933 aufgeben. Gemeinsam mit ihrem Mann, ist Lucie Koebbel noch im RMK 1937 eingetragen. Im Verlauf des Jahres 1937 ist ihr jedoch die kassenärztliche Zulassung entzogen worden, sie mußte ihre Kassenpraxis aufgeben (Ärztebl. f. Berlin v. 1937). 1938 wurde ihr die Approbation entzogen. Ihr Ehemann fiel nicht unter die Rassegesetze. Sie überlebte und wohnte nach der Befreiung in Wilmersdorf. Sie scheint wieder mit ihrem Mann zusammen eine Praxis geführt zu haben. Lt. Auskunft der Tochter mußte sie keinen gelben Stern tragen, da ihr Sohn im 2. Weltkrieg gefallen war.
Zuletzt wird sie 1962/63 zusammen mit ihrem Ehemann Max im Berliner Telefonbuch geführt, aber sie scheinen beide nicht mehr zu praktizieren. Max Koebbel wird 1960 zuletzt als praktizierender praktischer Arzt geführt.
Mitgliedschaften:
"Verein Krankenhaus weiblicher Ärzte e. V." (1914)
BdÄ (1929)

Literatur

Quellen und Sekundärlitertur

Quellen:
Lebenslauf (Diss.)
RMK 1913, MK 1917, 1919, RMK 1926/27, 1928, 1929, 1931, 1933, 1935, 1937
Kästner, Mangel an Leistungsfähigkeit, S. 17
Amtsbuch Berlin 1928, S. 473
Jahresbericht des Vereins Krankenhaus weiblicher Ärzte e. V. (1914), S. 12
Arzt (1952), S. 91
Ärztebl. Berlin 42 (1937), Ausg. 15.- 21.8.37, S. 418
Ärzteverzeichnis für Groß-Berlin 1949
Berliner Ärzte-Adreßbuch 1960. Berlin: Bucho 1960, S. 81
Schwoch, Rebecca (Hrsg.): Berliner jüdische Kassenärzte und ihr Schicksal im Nationalsozialismus. Belin u.a. 2009, S. 463
Archivalien
Amtliches Fernsprechbuch Berlin 1962/63
Mschr. Dtsch. Ärztinnen 5(1929), 184

Eigene Publikationen

Publikationen:
Zur Kenntnis der Hypophysenenzyme. Leipzig, Diss. med. v. 1913
Deskriptoren:
Frauenvereine
Approbation im Kaiserreich
jüdische Abstammung
BDÄ (Bund Deutscher Ärztinnen)