Anna Kuhnow

Allgemeines

Nachname:
Kuhnow
Vorname:
Anna
Geburtsdatum:
27.09.1859
Geburtsort:
Drossen (Preußen)
Sterbedatum:
28.06.1923
Sterbeort:
Berlin
Beruf des Vaters:
Gerbermeister
Sonstiges:
Anna Marie Kuhnow wurde von der deutschen Frauenbewegung, insbesondere dem ADF finanziell unterstützt. Der ADF hatte einen Stipendienfond, allgemein zur Förderung des Frauenstudiums, speziell aber auch für Studierende der Medizin und der Naturwissenschaften

Ausbildung

Ausbildung und Schule:
Kuhnow besuchte bis zu ihrem 12. Lebensjahr die Schulen in Drossen (Provinz Brandenburg, Preussen). Anschließend besuchte sie, bis sie sechzehn war, die Schulen in Frankfurt a. O.
Im Alter von zwanzig Jahren absolvierte sie das Lehrerinnen-Seminar in Frankfurt a. O. (1779-1881) und ging im Anschluß daran zurück nach Drossen, um dort für zweieinhalb Jahre eine Tätigkeit als Lehrerin aufzunehmen.
1884, im Alter von vierundzwanzigeinhalb Jahren, begann Kuhnow in Zürich Medizin zu studieren. Zuvor bereitete sie sich durch das Lehrerinnenexamen und mit privaten Studien in den Fächern Latein und Mathematik auf das Schweizer Abiturientenexamen vor. So bestand sie 1884 das schweizerische Maturitätsexamen in Zürich und begann nun zu studieren. 1886 bestand sie in Zürich das Physikum und im November 1888 das medizinische Staatsexamen.
Datum des Staatsexamens:
Nov. .1888
Ort der Promotion:
Zürich
Datum der Promotion:
1889
Ort der Approbation:
Zürich

Beruf

Fachbezeichnung:
Gynäkologin
Art der Tätigkeit:
Ende April 1889-Ende Mai 1890: Assistenzärztin am New York Infirmary for Women and Children in New York und Lehrerin am "Womens Medical College" für Mikroskopie und Diagnostik in New York
Okt. 1890- ca. 1898: niedergelassene Gynäkologin in Leipzig
1998 Kassenärztin für zwei Krankenkassen u. Ärztin für fünf Lebensversicherungsgesellschaften
1900-1923: niedergelassene Ärztin in Berlin sowie Belegärztin in der Privatklinik weiblicher Ärzte
Kommentar zur Tätigkeit:
Bereits im Alter von zwölf Jahren faßte Anna Kuhnow den Entschluß Medizin zu studieren.
Während ihres Studiums in Zürich wohnte sie zumindest im SoSe 1884 in der Pension Merz, Oberstrass.
Um vor ihrer Niederlassung klinische Erfahrung zu sammeln, ging sie 1889 nach Beendigung ihrer Promotion nach New York zur weiteren Ausbildung in den Gebieten Gynäkologie und Pädiatrie. Hier traf sie auch die Geschwister Blackwell und Marie Zakrzewska, die Gründerinnen dieser von Frauen geleiteten Klinik
In der kontrovers diskutierten Frage des gemeinsamen oder getrennten Studiums von Frauen und Männern gehörte sie zu den Frauen, die für ein gemeinsames Studium eintraten.
1890 kehrte Kuhnow wegen Heimwehs aus Amerika nach Deutschland zurück und eröffnete in Leipzig eine Praxis für Frauenkrankheiten. Hier war sie bis Februar 1900 tätig. Sie war die erste niedergelassenen approbierte Ärztin in Leipzig. Neben ihrer Praxistätigkeit hielt sie Vorträge über Gesundheitspflege und war auch gemeinnützig tätig. Sie engagierte sich vor allem für Gesundheitsvorsorge. In den Jahren 1892 und 1893 hielt sie einen Zyklus von 10 Vorträgen zum Thema: Bau und Pflege des weiblichen Körpers. Die Erträge aus den Vorträgen wurden zur Errichtung einer Frauenklinik verwandt. Sie wollte in Leipzig eine Klinik für Frauen und unter der Leitung von Frauen gründen, an der auch Unbemittelte kostenlos behandelt werden könnten. Leider wurde dieses Vorhaben nie verwirklicht.
1898 erhielt sie von Sächsischen Kultusministerium als erste deutsche Ärztin die Erlaubnis, den im Ausland erworbenen Doktortitel auch in Deutschland zu tragen.
Während ihrer Zeit in Leipzig war Anna Kuhnow die Ärztin von Luise Otto Peters.
1900 siedelte sie nach Berlin über, um dort die Praxis von Emilie Lehmus zu übernehmen, die bereits seit dreiundzwanzig Jahren bestand.
In Leipzig gab es nach ihrem Weggang zu dieser Zeit keine Ärztin mehr, erst 1902 kam die Ärztin Anna Moesta nach Leipzig
Während ihrer Leipziger Zeit entwickelte/entwarf Kuhnow ein "Reformkorsett" und "Reformunterkleidung", und ließ diese durch ortsansässige Unternehmen vertreiben. 1897/98 wurde das Korsett auf dem medizinischen Kongreß zu Moskau von "Herrn Professor Bendersky warm empfohlen".
Bei E. Lassay wird A. Kuhnow zu den Ärztinnen gezählt, die auch in Bosnien tätig waren. Es findet sich aber sonst kein Beleg dafür. Lt. Heidl., a.a.O., hatte sie 1891 eine Anfrage um Anstellung an einem bosnischen Spital gestellt, diese wurde aber vom Büro für bosnisch-herzegowinische Angelegenheiten am 07.08.1891 abgewiesen
Die Praxis in der Linkstraße übernahm dann die Ärztin Anna Herrmann, die kurz danach den Arzt Dr. Jungmann heiratete und die Praxis dann mit ihm zusammen führte
Tätigkeitsorte:
April 1889 - Ende Mai 1890: New York
Okt. 1890-ca. 1898: Leipzig, dort:
1893/94 Ranstädter Steinweg 13
1894 Pfaffendorfer Straße 17
1900-1923: Berlin, dort:
1900-1908 Linkstraße 15
1909-1913 Linkstraße 14
nach 1914 Luitpoldstr. 14
1918 - 1923 Trautenaustraße 18
Haupttätigkeitsort:
Leipzig
Berlin
Mitgliedschaften:
Vereinigung weiblicher Ärzte zur Gründung eines Frauenkrankenhauses in Groß-Berlin (e.V.) (ab 1908, Schatzmeisterin)
Verein Krankenhaus weibl. Ärzte e. V. (1914)
Allg. Dtsch. Frauenverein (ADF)

Literatur

Quellen und Sekundärlitertur

Quellen:
Ziegeler, B.: Weibl. Ärzte, S.11-12, 22, 78, 115
Lassay, E.: Die Frau im Spiegel der "Illustrirten Zeitung Leipzig" v. 1880-1915, med. Diss. 1990, S.89
Oelsner, E.: Leistungen d. dt. Fr. in d. letzten vier Jahrhdt., S. 78
Verz. d. Behörden, Lehrer, Anstalten und Studierenden d. Hochschule Zürich, darin: Eintr. A. Kuhnow SoSe 1884
Jahresbericht des Vereins Krankenhaus weibl. Ärzte e. V. 1914, S. 13
Die Frau 4 (1896), S. 191, 5 (1897/98), S. 125
Archivalien
Pataky, S. (Hrsg.): Lexikon deutscher Frauen der Feder. Berlin 1898, Bd. 1, S. 465
Bachhuber, Dagmar: Dr. med. Elisabeth Herzfeld (1890-1966). Eine der ersten in Leipzig niedergelassenen Ärztinnen. Leipzig, Med. Diss. v. 16.04.2002, S. 32
Richter, Pia: Frauen in der Wissenschaft. die ersten Habilitandinnen an der Leipziger Medizinischen Fakultät (1925 - 1970). Leipzig 2005, S. 27 (Beitr. zur Leipziger Universitäts- u. Wissenschaftsgeschichte (BLUWiG), Reihe B, Bd. 5)
Rohner, H.: Die ersten 30 Jahre d. med. Frauenstudiums an der Univ. Zürich 1867 - 1897, Zürich, Diss. med., S. 39-40, 82
Gertrud Wencke Zink: Anna Marie Kuhnow (1859-1923). Leben und Werk der ersten in Leipzig praktizierenden approbierten Ärztin. Leipzig, Med. Diss. v. 19.09.2000
Heidl, Waltraud ... (Hg.) "Durch Erkenntnis zu Freiheit und Glück ...". Frauen an der Universität Wien (ab 1897), Wien 1990, S. 196 (Schriftenreihe des Universitätsarchivs. 5)
Portrait:
Ja: Kuhnow ist in "Das Litterarische Leipzig 1897" abgebildet

Eigene Publikationen

Autobiographie:

Publikationen:
Statistisch - mechanische Untersuchungen über die Haltung der Schwangeren. Zürich, Med. Diss. v. 1889, zugl. Archiv für Gynäkologie 35(1889), 424-441
Gedanken und Erfahrungen über Frauenbildung und Frauenberuf. Leipzig 1896
Die Frauenkleidung vom Standpunkte der Hygiene. Leipzig 1893
Gedanken und Erfahrungen über Frauenbildung und Frauenberuf. Leipzig 1896
Praktizierende Ärztinnen der Gegenwart II. In: Illustrierte Zeitung, Bd. 111, 1898, S. 43,44
Über Ovariadentreferrin "Knolle". In: Frauenarzt 8(1911), 434-435
Deskriptoren:
Frauenvereine
Approbation im Kaiserreich
Klinik weiblicher Ärzte (o.ä.)
Gesundheitsaufklärung
Vorberuf
nur Schweizerische Approbation
Abitur