Therese Benedek, geb. Friedmann

Allgemeines

Nachname:
Benedek
Geburtsname:
Friedmann
Vorname:
Therese
Geburtsdatum:
08.11. .1892
Geburtsort:
Eger (Ungarn)
Sterbedatum:
27.10.1977
Sterbeort:
Chicago
Beruf des Vaters:
Geschäftsmann
Ehemann:
Benedek, Tibor
Kommentar zum Ehemann:
Arzt, Dermatologe, geb. 08.05.1892 in Nagykoros, verst. 1974. Heirat am 19.04.1919
Kinder:
2
Kommentar zu den Kindern:
Thomas, geb. am 16.06.1926
Judith, geb. am 05.11.1929, verheiratete Daskal
Sonstiges:
Vater: Ignatz Friedmann, geb. 14.09.1852 in Eger. verst. 1943. Er war Geschäftsmann, womit er gehandelt hat, ist nicht bekannt
Mutter: Charlotte Friedmann, geb. Link, geb. 16.05.1856 in Ipolysag, gest. 27.06.1926 in Budapest
als T. B. 6 Jahre alt war, übersiedelte die Familie von Eger nach Budapest
1925 erwarben die Eheleute Benedek die deutsche Staatsangehörigkeit
T. B. starb 1977 an einem Herzinfarkt

Ausbildung

Ausbildung und Schule:
Besuch des Lyzeums in Budapest
1911 Immatrikulation an der Universität Budapest für ein Medizinstudium
Ort des Staatsexamens:
Budapest
Datum des Staatsexamens:
28.10.1916
Ort der Approbation:
Budapest
Datum der Approbation:
13.01.1917

Beruf

Fachbezeichnung:
Psychoanalytikerin
Art der Tätigkeit:
01.05.1914 - 15.05.1917 Assistenzärztin am Weißen Kreuz Kinderkrankenhaus in Budapest
11.06.1916 - 25.04.1918 Assistenzärztin am Krankenhaus für Infektionskrankheiten SS Ladislaus und Gellert, Budapest
01.06.1918 bis 14.04.1919 Assistenzärztin an der Kinderklinik der St. Elisabeth Universität zu Preßburg
1920 - 1925 Assistenzärztin in der Psychiatrischen Klinik der Universität Leipzig (mit 18 Wochenstunden)
1921 Eröffnung einer psychoanalytischen privaten Praxis in Leipzig
ab 1936 Analytikerin am Chicago Institute of Psychoanalysis, Ausbilderin für junge Analytiker sowie Analytikerin in der psychoanalytischen Forschung
Kommentar zur Tätigkeit:
Warum sie vor Erhalt der Approbation eine Assistenzarztstelle innehaben sollte, konnte nicht geklärt werden. Die Angaben beziehen sich auf Weidemann. Außerdem überschnitten sich die beiden Tätigkeiten um ein Jahr.
Sie spezialisierte sich auf Kinderheilkunde, gewann aber immer mehr Interesse an der Psychoanalyse.
Ihre eigene Analyse begann vermutlich im November 1918 und dauerte bis April 1919, ihr Analytiker war vermutlich Ferenczi. Genaue Angaben sind nicht bekannt.
Wegen der unruhigen Verhältnisse in Ungarn zogen sie 1920 nach Deutschland. T. B. war die erste Psychoanalytikerin in Leipzig. sie hatte Anteil am Aufbau des Psychoanalytischen Arbeitskreises in Leipzig, dessen Mitglieder sich dem Studium und der Verbreitung der Freudschen Ideen widmeten.
Sie hatte keine deutsche Approbation
1924 wurde sie in die Berliner Psychoanalytische Vereinigung aufgenommen. Sie hielt dort Vorträge und erhielt in Berlin ihre klinische Supervision durch Karl Abraham und Max Eitington
1922 traf sie Freud zum ersten Mal auf dem Internationalen Psychoanalytischen Kongreß in Berlin. 1934 hielt sie in Luzern einen Vortrag auf dem Internationalen Psychoanalytischen Kongreß
Von 1933 bis 1935 Lehr- u. Kontrollanalytikerin im Kollegium des Berliner Psychoanalytischen Instituts
Tätigkeitsorte:
1914-1918 Budapest
1918 - 1919 Preßburg
1919-1920 Budapest
1920-1936 Leipzig, dort:
1925-1927 Emilienstraße 2
1928 Brüderstraße 7 II
1936 Berlin W 62, Courbièrestr. 17, II
1936 Chicago
Haupttätigkeitsort:

Veränderungen nach 1933:
Jüdin nach dem Gesetz vom 07.04.1933. Ihr Mann konnte sich nicht in Dermatologie habilitieren, da der maßgebliche Hygieniker in Leipzig, Professor Kruse, ein "Antisemit" dagegen stimmte. Der Grund war, daß Tibor Benedek mit einer Jüdin verheiratet war.
1935 reiste Tibor Benedek in die USA, um die Möglichkeiten für eine berufliche Zukunft zu untersuchen
Im Dezember 1935 erhielt Therese Benedek eine Einladung von Franz Alexander an das Chicago Institute for Psychoanalysis. Am 06.05.1936 traf die Familie in Chicago ein
Tibor Benedek arbeitete bis 1937 unbezahlt in der dermatologischen Forschung, da er noch keine medical license hatte. Therese Benedek unterhielt die Familie mit ihrer Arbeit
Am 22.11.1937 erhielt Therese Benedek die medical license, Tibor Benedek im selben Monat. 1941 erhielt Tibor Benedek die amerikanische Staatsbürgerschaft, seine Frau 2 Jahre später
Mitgliedschaften:
Berl. Psychoanalytische Vereinigung (Eintritt 14.02.1924)
Leipziger Psychoanalytische Arbeitsgemeinschaft der Dtsch. Psychoanalytischen Ges. (ab 1927)
Dtsch. Psychoanalytische Ges. (Eintritt 1925, Austritt Dezember 1935)
Amer. Psychiatric Ass.
Psychoanalytic Ass.

Literatur

Quellen und Sekundärlitertur

Quellen:
Doris Weidemann: Leben und Werk von Therese Benedek 1892 - 1977. Weibliche Sexualität und Psychologie des Weiblichen. Frankfurt am Main usw. 1988. (Psychopathologie und Humanwissenschaften 4). Zugl. Köln, Univ. Diss. 1988 (mit ausführlichem Schriftenverz.)
Ulrike May: Therese Benedek (1892-1977): Freudsche Psychoanalyse im Leipzig der zwanziger Jahre. In: "Mit ohne Freud: zur Geschichte der Psychoanalyse in Ostdeutschland. Hrsg. v. Heike Bernhard u. Regine Lockot. S. 51 - 91
Leipziger Jüdisches Jahr- u. Adreßbuch 1933. Berlin 1994, S. 12
RMK 1935
International Biographical Dictionary of Central european emigrés 1933-1945, Vol. II, S. 78, hrsg. v. Herbert A. Strauss u. Werner Röder. München usw. 1983
Quack, Sibylle (Ed.): Between sorrow and strength: Women refugees of the Nazi period. Cambridge 1995, S. 263
Marilyn Ogilvie, Joy Harvey (Eds.): The Biographical Dictionary of Women in Science. Vol. 1, New York, London 2000, S. 112-113
Heike Bernhardt u. Regine Lockot (Hg.): Mit ohne Freud: zur Geschichte der Psychoanalyse in Ostdeutschland. Gießen 2000, S. 410. (Bibliothek der Psychoanalyse)
Biographische Enzyklopädie deutschsprachiger Mediziner. Hrsg. v. Dietrich von Engelhardt. Bd. 1: A-Q. München 2002, S. 43
Heidel, C. P.: Verfolgt und verfemt - das Schicksal jüdischer Ärzte in Sachsen während des Nationalsozialismus. In: Ärzteblatt Sachsen 4/2005 u. www.slaek.de/50aebl/2005/archiv/04/pdf/0405_168.pdf v. 26.06.2009
Kästner, Ingrid: Therese Benedek (1892 - 1977), die erste Psychoanalytikerin in Leipzig. In: Caris-Petra Heidel (Hrsg.): Die Frau im Judentum - jüdische Frauen in der Medizin. Frankfurt am Main 2014, S. 105 - 123 (Schriftenreihe Medizin und Judentum,. 12)
Psychoanalytikerinnen. Biografisches Lexikon. Psychoanalytikerinnen in Deutschland. http://www.psychoanalytikerinnen.de/deutschland_biografien.html v. 07.09.2016
Portrait:
Weidemann, Doris
May, S. 61

Eigene Publikationen

Publikationen:
Dominant ideas and their relation to morbid cravings. London 1936
Adaption to reality in early infancy. (Psychoanalytic Quart. 7(1938), 200 - 215)
The sexual cycle in women. Washington, DC 1942
Insight and Personality Adjustment. New York 1946
u. Franz Alexander: Psychoanaltic therapy. New York, 1947
The family. New York 1949
Funktionen des Sexualapparates und ihre Störungen. In: Psychosomatische Medizin; Grundlagen u. Anwendungsgebiete. Von Franz Alexander. Berlin 1951 o. S.
Psychosexual Functions in Women. New York 1952
u. Joan Fleming: Psychoanalytic Supervision: A Methode of Clinical Teaching. New York 1966
u. E. James Anthony: Parenthood: Its Psychology and Psychopathology. Boston 1970
u. Franz Alexander: Psychosomatische Medizin. Grundlagen und Anwendungsgebiete. Berlin u.a. 1971
Deskriptoren:
jüdische Abstammung