Charlotte Wolff

Allgemeines

Nachname:
Wolff
Vorname:
Charlotte
Geburtsdatum:
30.09.1897
Geburtsort:
Riesenburg
Sterbedatum:
12.09.1986
Sterbeort:
London
Konfession:
mosaisch
Beruf des Vaters:
Getreidehändler, Kaufmann
Sonstiges:
Vater: Hans Wolff, Mutter: Irene Wolff, geb. Engel
1947 Britische Staatsbürgerschaft

Ausbildung

Ausbildung und Schule:
Besuch des Lyzeums in Danzig. Mit 13 Jahren tritt sie in die Untertertia des Realgymnasiums der Viktoriaschule in Danzig ein, dort legt sie 1918 die Reifeprüfung ab.
Ab Winter 1918 Medizinstudium, erst in München, dann in Freiburg, Berlin, Königsberg. Dort bestand sie das Physikum im Frühjahr 1921 mit "gut". Das klinische Studium absolvierte sie in Berlin, bestand dort das Staatsexamen im Januar 1925 mit "gut".
Die ersten vier Monate des praktischen Jahres absolvierte sie auf der Station für Haut- u. Geschlechtskrankheiten des Rudolf-Virchow-Krankenhauses unter Leitung von Prof. Wechselmann, die anderen acht Monate im Krankenhaus am Friedrichshain auf der inneren Station bei Prof. Lippmann und im Auguste-Viktoria-Krankenhaus auf der inneren Station bei Prof. Huber. Dort blieb sie bin Juni 1926.


Ort des Staatsexamens:
Berlin
Datum des Staatsexamens:
Januar.1925
Ort der Promotion:
Berlin
Datum der Promotion:
1928
Datum der Approbation:
15. 02.1926

Beruf

Art der Tätigkeit:
von Mitte Juli 1926 bis 1. 10.1926 Hospitation in der Schwangerenfürsorge der Ambulatorien des Berliner Kassenverbandes
ab Oktober 1926 Assistentin von Dr. Alice Vollnhals an der Schwangerschaftsfürsorge in den Berliner Ambulatorien der Krankenkassen
1. Klinik für Schwangerschaftsverhütung mit eingerichtet
1931 Forschungsarbeit im Institut für elektro- physiologische Medizin,
Kommentar zur Tätigkeit:
Ihre Vorsitzende am Ambulatorium der Allg. Krankenkasse war Dr. Alice Vollnhals.
1932- 1952 Forschung über die menschliche Hand, 1950 als Ärztin in Großbritannien registriert, 1952- 1968 als Psychiaterin tätig, 1968- 1978 sexualwiss. Forschung
In London wird Viginia Woolf ihre Patientin
Tätigkeitsorte:
1928- 1933 Berlin, dort:
1929 Hohenzollerndamm 209
1931 Südwestkorso 53a
1933 Laubenheimerstr. 10
1934 Zehlendorf, Thanner Pfad 7 (zumindest Jan. 1934 noch da gemeldet)
Haupttätigkeitsort:
London
Veränderungen nach 1933:
Jüdin nach dem Gesetz vom 07.04.1933. Im Februar 1933 kurze Festnahme durch die Gestapo, danach am 26.05.1933 Emigration nach Paris- dort Lebensunterhalt mit privaten Handanalysen gesichert. In Frankreich erhält sie keine Zulassung als Ärztin.
1936 Emigration nach London. Hier kann sie ihre Forschungen über die menschliche Hand weiterführen.
1939 legt sie die deutsche Staatsangehörigkeit ab und 1947 wird sie britische Staatsbürgerin.
Mitgliedschaften:
Verein Sozialistischer Ärzte (ab 1926)
British Psychological Society (Ehrenmitglied)

Literatur

Quellen und Sekundärlitertur

Quellen:
Der sozialistische Arzt 2(1926), Nr. 4, S. 41
RMK 1929, S.106, 1931, S.112, 1933, S.115
Ärzteblatt für Berlin 39(1934), 38
M. H.: Für mich ist die Frauenbewegung die grösste Revolution aller Zeiten. Psychologie Heute. Heft Mai 1981
Renate Wall: Verbrannt, Verboten, Vergessen. Köln, 1988, S. 211-213
Jutta Dick: Jüdische Frauen im 19. und 20. Jahrhundert. Hamburg: Rowohlt, 1993, S. 396-397
Anna Barbara Walti: Charlotte Wolff - Ärztin und Forscherin. aus: die, Heft 6 1997, Zürich
Christa Wolf: Charlotte Wolff internationale Jüdin mit britischen Pass. aus: Argonautenschiff. Jahrbuch der Anna Seghers- Gesellschaft Berlin und Main e.V., Bd. 6, Aufbau Verlag, Berlin 1997
Klimpel, Volker: Frauen der Medizin. Historisch-biographisches Lexikon von den Anfängen bis zum zwanzigsten Jahrhundert. Hürtgenwald: Pressler 2001, s. 147-148
Rappold, C.: Charlotte Wolff (1898 - 1986). Berlin 2005. (Jüdische Miniaturen. 34)
Kirchhoff, Wolfgang: Sexualpolitische Aspekte im Leben von Dr. med. Charlotte Wolff (1897 - 1986). In: Heidel, Caris-Petra (Hg.): Die Frau im Judentum - jüdische Frauen in der Medizin. Frankfurt a.M. 2014, S. 125 - 141 (Schriftenreihe Medizin und Judentum. 12)
Portrait:
Renate Wall a.a.O., S. 211
Kirchhoff, Wolfgang, a.a.O., S. 126, 131, 138

Eigene Publikationen

Autobiographie:
Wolff, C.: On the way to myself: communications to a friend. London: Methuen, 1969
deutsch: Wolff, C.: Innenwelt und Aussenwelt: Autobiographie eines Bewußtseins. München: Rogner und Bernhard, 1971
Wolff, C.: Hindsight. London: Quartet, 1980
deutsch: Wolff, C.: Augenblicke verändern uns mehr als die Zeit. Weinheim: Beltz, 1982
Publikationen:
Die Fürsorge für die Familie im Rahmen der Schwangerenberatung der Ambulatorien des Verbandes der Berliner Krankenkassen. Berlin, Diss. Med. v. 1928
Studies in Hand Reading. London 1936
The Human Hand. London 1942
Psychology of Gesture. o. O. 1945
The Hand in Psychological Diagnosis. o. O. 1950
La main humaine. Paris 1952
La mano y su lenguaja. 3 ed. Barcelona 1962
On the way to myself: communications to a friend. London: Methuen, 1969
Love between women. o. O. 1971
Innenwelt und Aussenwelt: Autobiographie eines Bewußtseins. München: Rogner und Bernhard, 1971
Psychologie der lesbischen Liebe. Hamburg: Rowohlt, 1973
An older love. London: Virago: Quartet Books, 1976
Flickwerk. München 1977
Bisexuality: A Study. o. O. 1977
Bisexualität. o. O. 1979
Hindsight. London: Quartet, 1980
Augenblicke verändern uns mehr als die Zeit. Weinheim: Beltz, 1982
Hand als Spiegel der Psyche. o. O. 1983
Magnus Hirschfeld - a portrait of a pioneer in sexology. London: Quartet Books, 1986
Hand als Spiegel der Seele. Hamburg: Rowohlt, 1988
u. Wolff, Christa (Hg.): Ja, unsere Kreise berühren sich. Frankfurt a.M. 2009
Deskriptoren:
§ 218
Approbation in Weimarer Republik
Ärztin im Emigrationsland
Öff. Gesundheitswesen
jüdische Abstammung
(Auto-)Biographie vorhanden
VsÄ (Verein sozialistischer Ärzte)