Else Tucholsky, geb. Weil

Allgemeines

Nachname:
Tucholsky
Geburtsname:
Weil
Vorname:
Else
Geburtsdatum:
19.06.1889
Geburtsort:
Berlin
Sterbedatum:
11.09.1942
Sterbeort:
Auschwitz
Kommentar zu den Lebensdaten:

Konfession:
mosaisch
Beruf des Vaters:
Kaufmann
Ehemann:
Kurt Tucholsky
Kommentar zum Ehemann:
Heirat am 03.05.1920, beide trennten sich im Laufe des Jahres 1922 wieder, Scheidung 1924. Bis 1933 ist Else Weil noch als Tucholsky, geb. Weil im RMK verzeichnet, 1935 und 1937 jedoch wieder als Else Weil
Sonstiges:
Else Weil war das Vorbild für Tucholskys "Claire" aus seinem Buch "Rheinsberg. Ein Bilderbuch für Verliebte." Im August 1911 hatten E. W. und Kurt Tucholsky ein Wochenende in Rheinsberg verbracht.
Vater: Siegmund Weil, geb. 1857 in Prenzlau, gestorben 1924 in Berlin. Kaufmann
Mutter: Franziska, geb. Herzfeld, geb. 1868 in Berlin, gest. 1933 in Bad Oeynhausen. Lehrerin
E. W. hat noch 2 jüngere Geschwister: Irma Rosy, geb. 11.09.1894 in Berlin, Kurt, geb. 07.07.1897 in Berlin

Ausbildung

Ausbildung und Schule:
Besuch der Höheren Töchterschule in Berlin, 1911 das Abiturium am Hohenzollern-Gymnasium in Schöneberg bestanden
Oktober 1910 Immatrikulation an der Berliner Universität, zunächst an der Philosophischen Fakultät, im zweiten Semester jedoch Wechsel zur Medizin
Medizinstudium in Berlin absolviert, 1914 das Physikum und Oktober 1916 das Staatsexamen abgelegt. Mit "gut" bestanden
Zwischen 1914 bos Juli 1915 ist E. W. als "Unterarztstellvertreterin" in der Psychiatrischen und Nervenklinik der Charité bei Bonhoeffer tätig (s. Böthig u.a.).
Vom 01.01. bis 03.10.1917 Praktisches Jahr an der inneren und chir. Abt. des Städt. Krankenhauses Charlotenburg-Westend
Ort des Staatsexamens:
Berlin
Datum des Staatsexamens:
Oktober.1916
Ort der Promotion:
Berlin
Datum der Promotion:
21.01.1918
Datum der Approbation:
13.10.1917

Beruf

Art der Tätigkeit:
22.09. - 31.12.1917 Ass. an der Hebammenlehranstalt am Urban-Krankenhaus in Berlin
1918-1920 Assistenzärztin an der II. Medizinischen Klinik der Charité
1918, 1919, 1926/27, 1929, 1931, 1933, niedergelassene Ärztin
01.11.1932 bis 25.03.1933 Ärztin an der Inneren Abt. des Städt. Krankenhauses Berlin-Friedrichshain
1935, 1937 ohne Praxis
Kommentar zur Tätigkeit:
Vom 16.10.1917 bis 24.04.1925 als niedergelassene Ärztin gemeldet bei der Ärztekammer. Nach eigenen Angaben hat sie aber ab 1923 keine eigene Praxis mehr gehabt (S. Böthig u.a.)
1923-1924 arbeitet sie als Privatsekretärin in der Firma Alfred Fester & Co., April 1924 - Oktober 1932 als privatsekretärin beim Bankhaus Kurzinsky am Pariser Platz in Berlin (S. Böthig, a.a.O., S. 10, 11)
Dez. 1933 - Anfang 1936 Arbeit bei Justizrat Hadra für die Nachlassverwaltung und im Bankgeschäft (s. Böthig, a.a.O., S. 16)
1935 arbeitet sie als Kindermädchen und auch als Stenotypistin (Böthig, a.a.O., S. 16)
Tätigkeitsorte:
1917-1937 Berlin, dort:
1917-24: Friedenau, Kaiserallee 79
1924-1925: Steglitz, Björnsonstr. 12
1919, 1925, 1929, 1931, 1933 Charlottenburg 4, Wielandstr. 33
1935, 1937, 1938 Grunewald, Fontanestr. 12
Haupttätigkeitsort:
Berlin
Veränderungen nach 1933:
Jüdin nach dem Gesetz vom 07.04.1933. 1933 Entzug der Kassenzulassung. 1934 übte sie keine ärztliche Tätigkeit mehr aus. Herbst 1938 Emigration nach Frankreich. Bis 1940 lebte sie in Paris. danach flüchtete sie mit dem Physiker Friedrich Epstein nach St. Cyr-sur-Mer in Südfrankreich. 1942 wurde sie als Staatenlose aufgegriffen und ausgeliefert. Mit dem 30. Transport aus Drancy vom 09.09.1942 nach Auschwitz deportiert. Am 11.09.1942 wurde Else Weil vermutl. unmittelbar nach der Ankunft des Transportes in Auschwitz vergast
Mitgliedschaften:
Berl. med. Ges. (1922)

Literatur

Quellen und Sekundärlitertur

Quellen:
Lebenslauf (Diss.)
MK 1919, RMK 1926/27, 1929, 1931, 1933, 1935, 1937
Ärztebl. f. Berlin 9 (1934), S. 426
Gedenkbuch Berlins der jüd. Opfer des Natsoz., Berlin 1995, Bd. 2, S. 1554
Bemmann: Kurt Tucholsky, Berlin 1990, S. 81, 150, 250/51
Verh. Berl. med. Ges. 1922. Berlin 1923 , S. LVIII
Gedenkbuch Berlins, 1995, S.1321
Leibfried/Tennstedt, Berufsverbote, 1980, S. 261
Verzeichnis jüdischer Ärzte in der Reichshauptstadt, 1937
Diekmann, Irene
Schwoch. Rebecca (Hrsg.): Berliner jüdische Kassenärzte und ihr Schicksal im Nationalsozialismus. Berlin u.a. 2009, S. 880-882
Schoeps, Julius H. (Hsrg.): Wegweiser durch das jüdische Brandenburg. Berlin: 1995, S. 441
Böthig, Peter: Der Tod im Exil. Briefwechsel von Hermann Broch und Annemarie Meier Graefe. Rezension. Frankfurter Rundschau v. 2.6.2001, www.lyrikwelt.de/rezensionen/dertodimexil-r.htm v. 16.07.02
Böthig, Peter: "Und Claire war real." Feature. Produktion: WDR III v. 6.12.1998
Pflug, Sunhild: Dr. med. Else Weil (1889 - 1942). Berlin u.a. 2008. (Jüdische Miniaturen 67)
Böthig, Peter/Brach, Alexander: Else Weil. Fragmente eines deutsch-jüdischen Lebensweges. Ausstellung des Kurt-Tucholsky Literaturmuseums zum 75. Todesjahr Kurt Tucholskys. 13. 11.2010 - 13.02.2011 [Begleitheft]. Berlin 2010
Portrait:
Schwoch, a.a.O., S. 880
Böthig/Brach, a.a.0., zahl. Abb.
Pflug, Aunhild, a.a.O., zahlr. Abb.

Eigene Publikationen

Publikationen:
Ein Beitrag zur Kasuistik des induzierten Irreseins. Berlin, Diss. Med. v. 1918
Friedmanns Tuberkulose-Mittel [Pseud.: Dr. Claire Pimbusch]. Weltbühne, 01.01.1920. (Aus: Böthig, Brach, a.a.O., S. 10)
Kassenärzte. Weltbühne v. 17.06.1920 (aus. Böthig, Brach, a.a.O., S. 10)
Deskriptoren:
ermordet im NS
jüdische Abstammung
Approbation im Kaiserreich
Deportation ins Konzentrationslager