Johanna Hellmann

Allgemeines

Nachname:
Hellmann
Vorname:
Johanna
Geburtsdatum:
14.06.1890
Geburtsort:
Nürnberg
Sterbedatum:
30.08.1981
Sterbeort:
Lidingö (Schweden)
Kommentar zu den Lebensdaten:
Im Chirurgenverzeichnis, hrsg. v. Junghanns, 6. Aufl. 1980 wird ihr Geburtsdatum mit dem 14.06.89 angegeben
Beruf des Vaters:
Kaufmann
Kinder:
1
Kommentar zu den Kindern:
Adoptivkind

Ausbildung

Ausbildung und Schule:
Besuch der höheren Mädchenschule und des (privat) Pensionates Lohmann in Nürnberg
1905 Mädchengymnasium in München
Abitur 1909
Medizinstudium in Berlin, Kiel, Berlin, Kiel
Staatsexamen 11.8.1914
ab Kriegsbeginn Assistentin an der Kgl. Chirurgischen Klinik zu Kiel als Assistentin
Ort des Staatsexamens:
Kiel
Datum des Staatsexamens:
11.02.1914
Ort der Promotion:
Kiel
Datum der Promotion:
1919
Datum der Approbation:
11.02.1915

Beruf

Fachbezeichnung:
Chirurgin, Urologin, Röntgen-Diagnostik u. Therapie (RMK 1929 - 1933), Chirurgin (RMK 1937)
Art der Tätigkeit:
1914 - 1928 Assistenzärztin an der chirurgischen Universitätsklinik Kiel
1929-38 Chirurgin, Urologin und Röntgenologin in Berlin
1929-32 an der chirurgischen Klinik der Charité (bei Sauerbruch)
1932 Privat-Frauenklinik Dr. Ernst Solms (bzw. Prof. Alfred Dührssen)
1932-38 Chefärztin des Krankenhauses der Heilsarmee Berlin
1944 - 1981 Privatpraxis in Lindigö und Stockholm
1958 Chirurgin in Lidingö-Stockholm/Schweden.
Kommentar zur Tätigkeit:
Ihren eigenen Angaben nach ist sie Ärztin geworden, um Menschen, besonders afrikanischen, helfen zu können. Ihre Eltern waren erst gegen ein Studium, ihre fortschrittlichen Onkel unterstützten Johanna Hellmann jedoch in ihrem Wunsch. Es war zu dieser Zeit unmöglich für ein Mädchen, in Nürnberg Abitur zu machen, deshalb mußte sie nach München übersiedeln.
Sie läßt sich in Berlin nieder, nachdem sie 15 Jahre lang an der Seite von Prof. Anschütz in Kiel als Chirurgin als Assistentin gearbeitet hatte.
Hält ein Referat über "die soziale Lage der Schwesternschaft" zusammen mit Kollegin Dr. Brumm auf der Zusammenkunft der Ortsgruppe Kiel des BdÄ am 13.2.1925
Tätigkeitsorte:
1914-29: Kiel
1927-1937: Berlin, dort: Trautenaustr. 5 (RMK 1929, 1930),
Wilmersdorf, Kaiser-Allee 30 (RMK 1930 - Febr. 1938)
1958 - 1981: Lidingö-Stockholm, dort: Fylgievägen (?) 1, Schweden
Haupttätigkeitsort:
Kiel
Lidingö-Stockholm
Veränderungen nach 1933:
Jüdin nach dem Gesetz vom 07.04.1933. 1933 Entzug der Kassenzulassung. Sie erhielt 1939 ein Affidavit von der American Medical Woman's Ass. (AMWA). 17.08.1939 Emigration über Dänemark nach Schweden. Danach sechs Jahre keine Erlaubnis, als Ärztin ihren Beruf auszuüben. 1944 Assistentenstelle an der chirurgischen Klinik des Lazarettes in Eskilstuna, für kurze Zeit. Sie erhält wenige Monate darauf die Erlaubnis Emigranten zu behandeln. Schwedische Staatsbürgerschaft 1945. Seit 1947 Zulassung als Chirurgin in Schweden, tätig allerdings nur in Privatkrankenhäusern. 1958 ist sie lt. Dt. Chirurgenkalender Chirurgin in Lidingö-Stockholm in Schweden
seit 1952 ist sie Vertrauensärztin der Deutschen Botschaft gewesen und stellte u.a. Gutachten für die Wiedergutmachung aus. 1972 wird sie in Lidingö von der Kommune angestellt, Lehrer zu betreuen.
Mitgliedschaften:
Dtsch. Röntgenges., Teilnahme an der Tagung der Dt. Röntgenges. in Berlin v. 3. - 4. 1921
Berl. Med. Ges. (1931)
Dtsch. Ges. f. Chirurgie (1921-1977)
BdÄ (1925)

Literatur

Quellen und Sekundärlitertur

Quellen:
Lebenslauf (Diss.)
Verhandl. d. Dtsch. Ges. f. Chirurgie, Berlin 1921, Mitgliederliste, S. LXI
Münch. Med. Wschr. 68(1921), S. 470
Dtsch. Chirurgenkalender 1926
RMK 1926/27, 1928, 1929, 1931, 1933, 1935, 1937, Nachtrag 1938
Vjsschr. Dtsch. Ärztinnen, 2. Jg. (1926), S. 26, 3 (1927), S. 127
Verhandl. Berl. med. Ges. Ges. Jahr 1931, Bd. 62 (1932), Mitgliederliste
Berl. Adreßbuch 1932, o. S.
Berl. Adreßbuch 1932, o. S.
Chirurgenverzeichnis 1928, 1958, o. S., 1969, S. 345, 1980, S. 261
Verzeichnis jüdischer Ärzte in der Reichshauptstadt, 1937
Women in medicine, October 1939, S. 22
Archivalien
Leibfried/Tennstedt, Berufsverbote, 1980, S. 257
Peter, Jessica Annabel: Zur Geschichte der ersten Urologinnen in Deutschland. Hannover, Univ., Med. Diss., 2008, S. 35 - 42, 143, 173 - 175
Krischel, M.: Urologen im Nationalsozialismus. Biografien und Materialien. Berlin 2011, S. 44-45

Eigene Publikationen

Autobiographie:

Leben und Arbeit einer Chirurgin. In: Deutsche Gesellschaft für Chirurgie: Mitteilungen, Sonderheft Chirurgenkongreß 1977. S.38-42
Publikationen:
Ulcus pepticum oesophagi.(Bruns 'Beitr. z. klin. Chir. 115(1919) H.2.)(Münch. med. Wschr. 66(1919),S. 790. Zugleich Kiel, Med. Diss. v. 1919
Ueber die Erfolge der Nachbestrahlung radikal operierter Mammakarzinome. (Aus der Kieler Chirurgischen Universitätsklinik). Zus. mit Prof. Dr. Anschütz. (Münch. med. Wschr. 68(1921), S. 1005 - 1009)
u. W. Anschütz: Über die Erfolge der Nachbestrahlung radikal operierter Mammakarzinome (Dtsch. Zschr. f. Chir. Bd. 197., 1926) (Münch. med. Wschr. 73 (1926), S. 1766)
Dauerresultate bei postop. Bestrahlungen von Mammaca. (Dtsch. Chirurgenkalender 1926)
Röntgenspätschädigungen der Haut und ihre Ursachen (Strahlenther. 11) (Dtsch. Chirurgenkalender 1926)
Erfolge der Reh. der Knochen- u. Gelenktbk. (Dtsch. Zschr. f. Chir. 185) (Dtsch. Chirurgenkalender 1926)
u. Anschütz: Erfolge der Nachbestrahlung radikalop. Mamma-Ca. Münchener Medizinische Wochenschrift 1921, o.S.
Leben und Arbeit einer Chirurgin. In: Deutsche Gesellschaft für Chirurgie: Mitteilungen, Sonderheft Chirurgenkongreß 1977. S.38-42
Deskriptoren:
Emigration
Standespolitik
Fachgesellschaften
BDÄ (Bund Deutscher Ärztinnen)
jüdische Abstammung
Einsatz im 1. Weltkrieg
Approbation im Kaiserreich
Ärztin im Emigrationsland